Gott ist nicht tot, aber müde und alt!
Das mutmaßt Jo King in seinem neu erschienenen Debüt-Album „Letztes Hemd“. Im gleichnamigen Titelsong ringt er mit den Zweifeln und lässt sich von treibenden Gitarren-Grooves zu der Erkenntnis leiten, wenn die Welt schon zum Teufel geht, müsse er ja auch nicht mehr nach oben flehen.
Ausgerechnet im wütenden Stück „Achmed“, das in bester Blues-Tradition einen Underdog aus Afghanistan zu Wort kommen lässt, wird es versöhnlicher: Hier kann man dem Geflüchteten eine vertrauensvolle Bitte um göttliche Unterstützung ablauschen.
Musikalisch wurzelt das Album in der lebendigen Musikszene des Oberlandes und der Band Groovers Combo. Dort spielen alle beteiligten Musiker zusammen die Stücke des Ausnahme-Gitarristen Groover Krüger, der auch hier die einfühlsame Melodie zu „Sonne im Herzen“ beisteuert. Jens Freyberg an den Drums baut das rhythmische Grundgerüst dynamisch und abwechslungsreich. Stilistisch spannt sich der Bogen vom einem afrikanisch anmutendem Instrumental über Country- und Blueseinflüsse bis hin zu akustisch vorgetragenen Gospel-Klängen. Minimalistisch instrumentiert und arrangiert bleibt als musikalisches Destillat der charakteristische Groove der einzelnen Stücke übrig.
Sie erzählen von den großen Themen Glaube und Gesellschaft. Kritisch, aber auch mal augenzwinkernd. Schließlich gelangt Jo King in einem persönlichen und ruhigen Finale doch zu einer Aussöhnung mit den höheren Kräften und findet seinen ganz persönlichen Gottesbeweis.
Aufgewachsen und musikalisch sozialisiert am oberbayerischen Staffelsee lernte Jo King das musikalische Handwerk von der Pike auf: Kurz nach Beginn der musikalischen Ausbildung bei Groover Krüger begann er seine Lehrjahre als Roadie in dessen Combo und den Williams Wetsox. In zahlreichen Konzerten der lokalen Szene und des bayerischen Blues sog er den bodenständigen und direkten Sound in sich auf.
Nach längeren Aufenthalten in Schweden und Hamburg kehrte Jo King schließlich als Rhythmusgitarrist zu Groovers Combo zurück, mit der er bis heute Konzerte spielt.
In Zeiten der erzwungenen Konzertpausen fand er nun die Zeit, den Groove des Oberlandes mit den Eindrücken seiner Wanderjahre in seinem Debut Album „Letztes Hemd“ zu verbinden.